Jahresertrag meines Balkonkraftwerks

Hier möchte ich Bilanz nach einem Jahr Balkonkraftwerk ziehen.

Setup

Zuerst zu meinem Setup: Ich betreibe eine Steckersolaranlage mit zwei 440-Watt Paneelen, insgesamt also 880 Watt Peakleistung. Der Wechselrichter hat 800 Watt Ausgangsleistung. Ich habe einen großen Südbalkon, allerdings lehnt das eine Paneel auf dem Balkon und hängt nicht am Geländer. Es hat eine Neigung von ungefähr 35 Grad. Da mir ein großer Mittagsertrag nicht viel bringt, ist das zweite Paneel westlich ausgerichtet. Es steht aufrecht an einer Wand und wird leider relativ schnell verschattet.

Beide sind nicht optimal, aber entsprechend den Gegebenheiten aufgestellt.

Mein initialer Gedanke war, dass das Südpaneel mittags stark bestrahlt wird und entsprechend viel produziert. Um die Grundlast länger decken zu können, wird dann nachmittags das Westpaneel bestrahlt und so der Lauf der Sonne gut genutzt.

Das ganze lese ich mit einem openDTU-Microcontroller aus und speichere die Ertragsdaten auf einem Raspberry.

Ertrag pro Jahr

Nun zum spannendsten Teil: dem Ertrag in einem Jahr. Im letzten Jahr (ungefähr Oktober 2023 bis Oktober 2024) habe ich 226 kWh produziert. Das ergibt einen durchschnittlichen Ertrag von 620 Wh pro Tag, der Median liegt bei 560 Wh.

Wie viel ich von dem Strom selbst verbrauchen konnte und wie viel ich den Stadtwerken geschenkt habe, sehen wir uns später genauer an.

Leistung pro Monat

Das Diagramm zeigt den Ertrag pro Monat. Im Grunde bleibt er von März bis September ziemlich unverändert bei etwa 25 kWh.

Leistung pro Tag

In dieser Grafik sieht man die Durchschnittswerte über ein ganzes Jahr. Der Tagesverlauf zeigt stark die volle Bestrahlung des Südmoduls um die Mittagszeit.

Verteilung über den Tag

In der letzten Darstellung zeigt sich die Leistungsverteilung zwischen Süd- und Westmodul. Wie erwartet, verlängert das Westpaneel in der Tat die Ertragskurve – allerdings nicht so stark wie erhofft. Die frühe Verschattung des Balkons zollt hier seinen Tribut.

Wenn die Sonne im Sommer höher steht, wird das Westmodul länger bestrahlt. Dort klappt der Übergang an manchen (wenigen) Tagen tatsächlich wie gewollt.

Eigenbedarf

Nun zur Frage, wie viel von dem erzeugten Strom ich wirklich selbst verbrauche. Dafür habe ich den Stromverbrauch mit dem im Vorjahreszeitraum verglichen.

Bei gleichem angenommenen Stromverbrauch, habe ich pro Tag 300 Wh weniger verbraucht. Setzt man das in Verhältnis zu den durchschnittlich 620 Wh Ertrag pro Tag, kommen wir auf einen Eigenverbrauch von 48%. Diese Quote hat mich tatsächlich überrascht, ich hatte mit einem geringeren Quotienten gerechnet.

Seit ich das Balkonkraftwerk betreibe, habe ich mein Verbrauchsmuster nicht größer angepasst. Mittags wird oft gekocht, Spül- & Waschmaschine starte ich jetzt natürlich auch bevorzugt bei Sonnenschein.

Fazit

Es wird wohl noch etwas dauern bis sich die Anlage amortisiert (mit der damaligen Förderung in ca. 6,5 Jahren).

Trotzdem finde ich, dass sich das Kraftwerk lohnt. Denn obwohl die Module suboptimal ausgerichtet sind und früh verschattet werden, gibt es im Sommer durchaus Tage, an denen von 11 bis 16 Uhr konstant über 100 Watt erzeugt werden. Zudem hatte ich viel Spaß an der Bastelei und auch ein kleiner Beitrag fürs Klima ist doch schön.

Inzwischen sind die Preise für ein solches Balkonkraftwerk noch weiter gefallen. Für die heutigen Preise von teilweise unter 200 Euro ist ein Balkonkraftwerk bei den richtigen Gegebenheiten für mich ein no-brainer.